Volkstrauertag 2006
19. November 2006

Wir danken Ortsvorsteher Franz Kaiser für seine Rede:
"An einem Tag wie heute- dem Volkstrauertag - gedenken wir bewusster als an allen anderen Tagen im Jahr, der Toten der beiden Weltkriege. Wir legen dort, wo es möglich ist, an ihren Gräbern Kränze nieder, um zu bekunden, dass niemand von ihnen vergessen ist. In vielen Fällen aber ist dieser stille Gruß nicht möglich, denn in über 80 Ländern unserer Erde liegen die letzten Ruhestätten von Opfern der kriegerischen Auseinandersetzungen, die von uns unerreichbar bleiben. Aber auch vielen der noch lebenden Angehörigen ist es heute meist aus gesundheitlichen Gründen verwehrt, Blumen am Grab des verlorenen Familienangehörigen niederzulegen, wenn sich dieses in Deutschland oder im benachbarten Ausland befindet. Ihnen und allen anderen bleibt so nur die Erinnerung an den schmerzlichen Verlust, den sie vor nunmehr über 60 Jahren erlitten haben und der auch heute noch die Seele belastet. Ihnen bleibt oft nur ein inzwischen vergilbtes Foto, ein persönliches Andenken, der Ehering oder nur ein letzter Brief.

Millionen von Feldpostbriefen gingen in den Jahren des Krieges zwischen der Front und der Heimat hin und her. Die meisten von ihnen existieren nicht mehr. Aber die übrig gebliebenen berichten nicht nur von dem Schrecken des Krieges. Sie sind oft auch Dokumente einer zutiefst humanen Gesinnung, die da zu uns allen spricht. Einer dieser Briefe soll hier stellvertretend für alle anderen zitiert werden. Sein Verfasser fiel wenige Tage später an der Ostfront. Es war sein letzter Gruß, der von einer Vorahnung geprägt war.

'Es ist hier momentan ruhig. Ein Uneingeweihter würde kaum glauben, dass sich hier die beiden Fronten hinziehen. Der Himmel ist bedeckt mit schweren Wolkenlasten und stumm in sich versunken. Wie ein Scheidegruß erscheint mir diese Stille, ein stummes Lebewohl. Hinab sind an diesen weiten, endlosen Flächen die Hoffnungen so mancher Kameraden wie ein zerrissenes Traumgebilde und haben so manches Herz getäuscht und nicht heilende Wunden gerissen. Leise umrauscht von den Gedanken an die Heimat sitze ich hier mit meinen Kameraden in einem Unterstand - es sind unserer sechs mit dem Bleistift in der Hand - und gebe mich sinnend der unerbittlichen Gegenwart hin. Die Gedanken an die Heimat sind doch die schönsten, und weiß nur derjenige zu schätzen, der sie vermisst; und nicht einmal das Kampfgetöse kann solche Gedanken verwehen. Ernst ist es geworden am Strand des Lebens und düster umhüllt von einem Nebelflor, von einem Totenmeer, sah ich die Stunden längst dahin, wo ich zu Hause bei meinen Lieben weilen konnte.
Wieder sinkt der Tag und winkt uns Kameraden traurig zu und leichte Abendwölkchen ziehen am Himmel und winden so dem toten Tag und der schwindenen Vergangenheit gleichsam einen Kranz.'

Das Vermächtnis, das uns dieser bewegende Brief auferlegt, verpflichtet nicht nur die Generationen der vaterlos aufgewachsenen Kinder, sondern uns alle, das Andenken an die Toten der Kriege an die Generation der Enkel weiterzugeben. Denn sonst sind eines Tages deren Briefe und Fotografien nur noch Relikte einer fernen Zeit, zu der sie keine persönliche Beziehung haben."

Unser hiesiger "Gesangverein Liederkranz" verleiht der Gedenkfeier einen feierlichen Rahmen mit seinen Liedern.
