Das Wappen von Bindersbach

 

Definition:

Heraldik (vom Begriff des "Herolds" abgeleitet) ist die Wissenschaft von den Wappen und der Wappendarstellung sowie der Geschichte des Wappenwesens.

Die Herleitung des Wortes Wappen vom niederdeutschen Wapen (Waffen) zeigt die enge Verbindung der Entstehung der Wappen mit dem Kriegwesen. Die Wappen dienten (seit ca. 1200) in den Städten als allgemeines Erkennungszeichen.

Siegel dienen der Sicherung der Echtheit, Wappen hingegen sind Erkennungszeichen, Hoheitszeichen und Eigentumsnachweis.

Bei der Beratung im Landesarchiv Speyer wird streng auf die Einhaltung der heraldischen Gesetze geachtet z. B. Einfachheit des Wappens; heraldische Farben sind Blau, Rot, Grün, Schwarz; heraldische Metalle sind Gold und Silber.

Das Wappen wird vom Träger aus betrachtet (rechts und links sind demnach vertauscht).

Vor den Flaggenverleihungen muss eine Abstimmung über Farben und Anordnung erfolgen, wobei nur Wappenfarben, vornehmlich die der Figuren, in Betracht kommen; hierbei gelten die Metalle Gold als Gelb und Silber als Weiß.

Nachdem Kommunen eine für die Gemeinde akzeptable, zugleich heraldisch vertretbare Wappen- bzw. Flaggenform gefunden haben, wird ein Heraldiker mit der Anfertigung der Reinzeichnungen beauftragt.

Quelle: "Das große Wappenbuch der Pfalz" von Karl Heinz Debus, 1988, ISBN 3-980 1574-2-3, sowie eigene Recherchen.

 

Wann und wie wurde das Wappen hergestellt:

Auf Anregung des Ortsbeirates von Bindersbach wurde von der Verbandsgemeindeverwaltung am 8. Dezember 2004 ein Antrag für die Anschaffung eines Wappens an das Landesarchiv Speyer eingereicht. Mit Schreiben vom 11. Januar 2005 teilte Herr Dr. Maier (Landesarchiv Speyer) mit:

"Für das geplante Wappen von Bindersbach möchte ich folgende Vorschläge unterbreiten:

1. Von Silber und Gold durch eine eingebogene rote Spitze gespalten, oben rechts ein linksgewendeter, rotbewehrter und –bezungter, goldbekrönter roter Löwe, links auf rotem Fels eine rote Burg, unten ein aufgerichteter goldener Schlüssel.

2. Wie 1., aber im unteren Feld anstatt des Schlüssels eine aufgerichtete goldene Waldaxt, oder auch ein goldener Forsthaken (Wolfsangel).

Zur Begründung sei angeführt, dass der rote Löwe im oberen rechten Feld dem Wappen der Grafen von Löwenstein entnommen ist, die Bindersbach im Jahr 1521 durch Kauf erwarben und bis zum Einmarsch der Franzosen 1792 in ihrem Besitz behielten. Die Burg im oberen linken Feld soll die Burg Scharfenberg (Münz) symbolisieren, mit der Bindersbach als Hofgut immer eng verbunden war. Der Schlüssel im unteren Feld steht für das Kloster Weißenburg, das im Spätmittelalter seit 1334 Besitzer der Burg Scharfenberg und des dazugehörigen Hofgutes Bindersbach war. Die alternativ mögliche Waldaxt bzw. der Forsthaken in diesem Feld wären ein allgemeiner Hinweis auf die Tatsache, dass Bindersbach eine relativ spät gegründete Rodungssiedlung ist, die auch im weiteren Verlauf ihrer Geschichte wirtschaftlich immer stark von den umliegenden Waldgebieten geprägt war.

Für die Flagge (Banner- und Hissflagge) würde ich vorschlagen: Von Rot und Weiß (andere Möglichkeiten: von Rot und Gelb) gespalten bzw. geteilt, darin das Wappen."

Die Grafikvorschläge wurden von Gérard Salmon (Bindersbach) wie folgt gezeichnet:

     

Den Änderungen "... auf rotem Fels ..." und "... aufgerichteter goldene Waldaxt ..." wurden nach Rücksprache mit Dr. Maier und Archivar Rolf Übel zugestimmt.

     

In der öffentlichen Sitzung des Ortsbeirates Stadt Annweiler am Trifels, Stadtteil Bindersbach, vom 2. Februar 2005 wurde gemäß § 5 Abs. 1 GemO einstimmig beschlossen:

.... die Einführung eines Wappens und einer Flagge durch eine eingebogene rote Spitze gespalten, oben rechts ein linksgewendeter, rotbewehrter und bezungter, goldbekrönter roter Löwe, links auf grünem Fels eine rote Burg.

Mit 4 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen beschloss der Ortsbeirat als Motiv im unteren Feld von Wappen und Flagge eine goldene Waldaxt, oder auch einen goldenen Forsthaken (Wolfsangel) als allgemeiner Hinweis auf die Tatsache, dass Bindersbach eine relativ spät gegründete Rodungssiedlung ist, die auch im weitern Verlauf ihrer Geschichte wirtschaftlich immer stark von umliegenden Waldgebieten geprägt war.

Mit 7 Ja-Stimmen bei 2 Nein-Stimmen wurde beschlossen, dass die Waldaxt nach unten gerichtet sei soll.

Mit 7 Ja-Stimmen und 1 Enthaltung wurde die Farbe von Flagge und Wappen auf Rot-Gelb festgelegt. Einstimmig erging an den Stadtrat die Empfehlung, für den Stadtteil Bindersbach ein Wappen sowie eine Flagge nach o. g. Beschlüssen anzuschaffen.

 

Stadtratsbeschluss vom 20. Juli 2005

Punkt 3 - Einführung eines Wappens und einer Flagge im Stadtteil Bindersbach - Vorlage: 02/044/I/090/2005

1. Der Stadtrat beschließt einstimmig gemäß § 5 Abs. 1 GemO die Einführung eines Wappens und einer Flagge für den Stadtteil Bindersbach.

2. Der Stadtrat beschließt einstimmig das vom Ortsbeirat empfohlene Wappen.

Nach Beschlussfassung des Stadtrates über das Wappen und über die Flagge geht der Beschlussauszug des Ortsbeirats sowie des Stadtrats zur Erstellung eines Gutachtens an das Landesarchiv Speyer. Nach Vorlage des Gutachtens ist die Genehmigung der Einführung des Wappens und der Flagge für den Stadtteil Bindersbach unter Vorlage des Gutachtens des Landesarchivs Speyer gemäß § 5 Abs. 1 GemO bei der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße - Kommunalaufsicht - einzuholen.

Das vom Ortsbeirat gewünschte Wappen sowie die gewünschte Flagge werden von der Verbandsgemeindeverwaltung zeichnerisch dargestellt und Dr. Maier vom Landesarchiv vorgelegt. Dieser entscheidet dann, ob diese Zeichnungen als sogenannte Reinzeichnung anerkannt werden können. Sollte dies nicht der Fall sein, müssten das Wappen und die Flagge von einem Heraldiker als Reinzeichnung gefertigt werden.

3. Der Stadtrat beschließt einstimmig die vom Ortsbeirat empfohlene zweigeteilte Flagge in den Farben Rot-Gelb.

 

Genehmigungsurkunde

Gemäß § 5 Abs. 1 der Gemeindeordnung für Rheinland-Pfalz (GemO) vom 31.01.1994 (GVBl. S. 153), in der derzeit gültigen Fassung, erteilen wir der

Stadt Annweiler, Ortsbezirk Bindersbach

Landkreis Südliche Weinstraße

die Genehmigung zur Führung eines eigenen Wappens.

Wappenbeschreibung:
Von Silber und Gold durch eine eingebogene rote Spitze gespalten, oben rechts ein linksgewendeter, rotbewehrter und -bezungter, goldgekrönter roter Löwe, links auf grünem Fels eine rote Burg, unten eine abwärts gerichtete goldene Waldaxt.

Landau in der Pfalz, 14. Oktober 2005

gez. Theresia Riedmaier - Landrätin

 

Das idyllische Dörfchen Bindersbach führt von nun an
sein eigenes Wappen!

 

Am 8. Januar 2006, beim Neujahrsempfang der Stadt Annweiler am Trifels, überreichte Landrätin Theresia Riedmaier dem Bindersbacher Ortsvorsteher Franz Kaiser die Urkunde, welche Bindersbach berechtigt, fortan ein Wappen zu tragen.


Danke Karl-Heinz Forger, Annweiler, für die Fotos

 

Am 9. Januar 2006, um 15:30 Uhr, hisste Stadtbürgermeister Thomas Wollenweber (rechts) unsere Flagge zum ersten Male auf dem Rathausplatz in Annweiler am Trifels. Mit anwesend war der Entwurfszeichner Gérard Salmon.


Am gleichen Tag wurde auch die neue Fahne des Ortsteils Sarnstall gehisst (rechts im Bild).

 

Am Nachmittag des 24. Januar 2006, rechtzeitig zur Einwohnerversammlung von Bindersbach, hing zum ersten Male in der 700-jährigen Geschichte unseres Dorfes die eigene Fahne vor dem Dorfgemeinschaftshaus (Vereinshaus des Gesangverein Liederkranz). Es war ein eisiger, aber klarer und sonniger Tag.

Ortsvorsteher Franz Kaiser, sein Stellvertreter Ferdinand Badinger und Stadtbürgermeister Thomas Wollenweber (von links)  präsentieren den versammelten Dorfbewohnern die Flagge.

 

Wichtiger Hinweis:

Gemeindeordnung (GemO) § 5, Abs. 3:
"Wappen und Flaggen der Gemeinde dürfen von anderen
nur mit Genehmigung der Gemeindeverwaltung verwendet werden."

 

 

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