Pfarrer Hans Norbert Lehmann
- in memoriam -
am 26. Januar 2020 wäre der Trifels- und Staufer-Pfarrer 100 Jahre alt geworden
„Es ist von Annweiler bekannt, dass zwischen Katholiken und Protestanten ein gutes Verhältnis ist … und soweit
es an mir liegt ...will ich dazu beitragen, dass dieses Verhältnis bleibt …dass wir uns immer mehr begegnen.
Denn wir sind ja alle eins im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus.“* Diese Worte sprach Pfarrer Hans Norbert
Lehmann am 2. Juli 1967, als er zum ersten Male nach der offiziellen Übergabe auf der Kanzel der
Pfarrkirche St. Josef stand, zu seiner ihm fortan anvertrauten Gemeinde. Und er hat sich in seiner
ganzen Zeit als Pfarrer in Annweiler am Trifels tatsächlich mit aller Kraft für die Ökumene eingesetzt,
war fortschrittlich und seiner Zeit ein ganzes Stück voraus. Er hat keinem protestantischen Mitchristen
in einer Eucharistiefeier die Kommunion verweigert.
Am 26. Januar 1920 wurde Hans Norbert Lehmann in Kaiserslautern geboren, besuchte hier die Volksschule und das
Gymnasium. Sein Abitur machte er am Humanistischen Gymnasium in Münster i. W. Sein Medizinstudium brach er nach
dem Krieg ab. Mit zu viel Krankheit und Leid war er in den Kriegsjahren als Sanitäter konfrontiert worden. Deshalb
entschied er sich für das Philosophie- und katholische Theologiestudium in Eichstätt, Tübingen und München.
Am 13. August 1950 erhielt er im Dom zu Speyer die Priesterweihe. Als Kaplan wirkte er in Ludwigshafen,
Rohrbach/Saar und Germersheim.
Hier wurde ihm am 3. Mai 1957 die Pfarrei anvertraut.
Als 47jähriger wurde er nach schließlich nach Annweiler am Trifels berufen, wo er 28 Jahre lang mit ganz viel Herz,
Güte und Verstand wirkte. Zur Katholischen Pfarrei St. Josef zählten auch Gräfenhausen, Queichhambach und Bindersbach.
In Bindersbach zelebrierte er im ehemaligen Schulhaus für die betagten Gläubigen, denen es nicht mehr möglich
war den Sonntagsgottesdienst in Annweiler zu besuchen, donnerstags die Messe.
Am 2. Juli 1995 trat Pfarrer Hans Norbert Lehmann in den Ruhestand, blieb aber trotzdem stets einsatzbereit.
In seinem Abschiedsgottesdient assistierten ihm Pfarrer Peter Berger und Pfarrer i. R. Emil Brill.
Wer ihn gekannt und erlebt hat, erinnert sich auch heute noch gerne an Pfarrer Lehmann als entscheidungsfähigen
Bauherrn (u. a. Neugestaltung des alten Pfarrheims, Bau des neuen Kindergartens, Restaurierung der Orgel,
Renovierung und Neugestaltung des Chorraumes in der Kirche, Renovierung der Kapelle in Gräfenhausen, Bau des neuen
Pfarrheims) und als versierten Reiseleiter (Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland, Holland, Polen,
Luxemburg), der den Teilnehmern die Schönheiten der Länder, der Kunst und Kultur vermittelte.
- Man erinnert sich an den brillianten Rhetoriker und seine fesselnden Predigten über Franz von Assisi, Edith Stein
oder Dietrich Bonhoeffer. An seine enthusiastischen Ausführungen zum „Hohelied Salomos“.
- Man erinnert sich an den Priester, der in der Markwardanlage spazieren ging und andächtig sein Brevier betete.
- Man erinnert sich an seine Liebe zu unserer wunderschönen Landschaft und die ab 1970 stattgefundenen,
feierlichen Fronleichnamsmessen am Schwanenweiher und -prozessionen durchs blühende Bindersbacher Tal.
- Man erinnert sich an die intensiven Gespräche mit den Brautleuten ebenso wie an die ihm ganz wichtige persönliche
Hinführung der Kinder zur Erstkommunion.
Foto: L. Hauerwaas
- Man erinnert sich an seine Leidenschaft für die Historie des Trifels und der Staufer. Zum 800. Geburtstag von Friedrich II öffnete auf seinen innigen Wunsch hin das Postamt Annweiler am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember 1994, extra eine Stunde lang die Tür. Briefmarken mit einem Aufdruck aus dem Buch von Friedrich II „De arte venandi cum avibus“ erhielten den Tagesstempel.
- Man erinnert sich an das Läuten der Kirchenglocken, als die verschollene Stadtrechtsurkunde am 9. Februar 1991 aus den USA nach Annweiler am Trifels zurück kam.
- Man erinnert sich an seine Begeisterung für geistliche und weltliche Dinge, und seine Gabe, die Menschen damit anzustecken und mitzureißen. Aus seiner Pfarrei ging Pfarrer Peter Berger hervor, der 1985 geweiht wurde. Wie sein Vorbild und Lehrherr, erfreut sich der Priester i. R. großer Beliebtheit; sein unermüdlicher persönlicher Einsatz und seine Bescheidenheit werden allseits gelobt und geschätzt.
- Man denkt aber auch an den in Kaiserslautern geborenen Mann, der als begeisterter Anhänger des 1. FCK auf der Kanzel stand, die Glocken läuten ließ und voller Stolz und überschwänglicher Freude verkündete, dass sein Fußballverein gerade (15. Juni 1991) Deutscher Meister geworden ist.
Nach mehr als 58 Jahren im Priesteramt entschlief Pfarrer i. R. Hans Norbert Lehmann am 22. Oktober 2008 in Annweiler am Trifels, wo er auf dem Bergfriedhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
Am Sonntag, 26. Januar 2020 findet um 10 Uhr in der katholischen Kirche St. Josef ein Gedenkgottesdienst zum 100. Geburtstag des unvergessenen Seelsorgers und Pfarrers Hans Norbert Lehmann statt.

Dankeschön H. Schnetzer

30. Juni 1991 - Fronleichnamsprozession durchs Bindersbacher Tal

Poststempel 26. Dezember 1994 - 800. Geburtstag von Friedrich II
Dankeschön R. Schnetzer

Kirche St. Josef in Annweiler am Trifels

DIE RHEINPFALZ Nr. 250 vom 25. Oktober 2008
mit freundlicher Genehmigung: RHEINPFALZ Verlag und Druckerei, Ludwigshafen

schlichte Ruhestätte auf dem Bergfriedhof Annweiler am Trifels

Quellenangabe:
*Wasgau Bote Nr. 27 vom 7. Juli 1967