Volkstrauertag 2007
18. November 2007


Ansprache unseres Ortsvorstehers Franz Kaiser:
"Wir trauern heute um die vielen Millionen von Menschen, denen die beiden Weltkriege das Leben genommen haben.
Aber seit in Deutschland der letzte Krieg zu Ende gegangen ist, ist schon wieder fast ein ganzes Menschenleben vergangen. Seit mehr als sechzig Jahren leben wir hier in Frieden und müssen uns nicht vor Bomben, Zerstörung und Todesangst fürchten. Wer von uns kann sich an jene Schreckenszeit noch erinnern? Die meisten, welche sie mitgemacht haben, weilen nicht mehr unter uns.
Neue Generationen sind seither herangewachsen. Für die Kinder und Enkelkinder sind die Geschehnisse aus den Kriegsjahren nichts mehr als illustrierende Erzählungen einer Vergangenheit, die für sie verständnislos geworden ist. Sie kennen die Erfahrungen von Leid und Schrecken nur noch vom Hörensagen.
Dass wir Frieden in unserem Land haben, wird mehr und mehr als Selbstverständlichkeit angesehen. Frieden ist ein Stück unseres Alltags geworden. Aber - je länger ein Frieden dauert, umso eher wächst die Gefahr heran, dass wir vergessen, ihn zu schätzen, und dass wir meinen, wir bräuchten uns nicht mehr um ihn zu bemühen.
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg: Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren haben.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder wegen einer Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung.
Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.
Es wird heute immer wieder behauptet, man solle die Vergangenheit endlich in Ruhe lassen. Wer jedoch die Tatsache der vielen sinnlos gewesenen Opfer, die Leiden und den Tod unzähliger Menschen einfach verdrängen und der Vergessenheit überantworten will, der leistet keinen Beitrag zur Überwindung des Unfriedens.
Der Volkstrauertag soll uns weiterhin an das Versagen der Menschen vor der Menschlichkeit erinnern. Lassen wir das heutige Gedenken uns eine Mahnung sein und setzen wir alles daran, den Frieden als eines unserer kostbarsten Güter zu bewahren und zu erhalten."

Die beiden Chöre des "Gesangverein
Liederkranz" gaben der Gedenkfeier mit ihren Liedvorträgen einen würdevollen Rahmen.
Hermann Andres legte im Namen des Gesangvereins einen Kranz nieder.



